News vom 22.09.2026„Das haben wir alles gar nicht gewusst!“
Neue HWK-Reihe „Kammer Klartext“ zeigt Betrieben, was ihre Handwerkskammer für sie leistet
Was macht die Handwerkskammer eigentlich den ganzen Tag für meinen Betrieb? Diese Frage steht selten offen im Raum – aber sie schwingt oft mit. Bei Beiträgen, Bürokratie, Ausbildungsthemen oder politischen Entscheidungen fragen sich viele Betriebsinhaberinnen und Betriebsinhaber: Kommt da bei mir überhaupt etwas an?
Genau hier setzt die neue Veranstaltungsreihe „Kammer Klartext“ der Handwerkskammer Aachen an. Sie soll Vorurteile abbauen, Leistungen sichtbar machen und vor allem den direkten Austausch mit den Mitgliedsbetrieben stärken. Die Premiere fand am 15. September im Kreis Euskirchen statt – und der Name war Programm: offen, konkret und ohne Schönfärberei.
Rund 20 Betriebe kamen in die Ideenfabrik Euskirchen. Viele von ihnen nahmen nach drei intensiven Stunden vor allem eine Erkenntnis mit: Die Handwerkskammer bietet deutlich mehr Unterstützung, als im betrieblichen Alltag oft wahrgenommen wird. Kostenfreie Nachfolge- oder Rechtsberatung, politische Interessenvertretung sowie ein großes Aus- und Weiterbildungsangebot für das Handwerk in der Region – für manche war das kein Überblick, sondern ein Aha-Moment.
Bildungsstätten: Weniger Standorte, bessere Ausstattung
Ein zentrales Thema des Abends war die Zukunft der Bildungsstättenlandschaft. Der stellvertretender HWK-Hauptgeschäftsführer Wilhelm Grafen machte deutlich, dass sich das Angebot in den kommenden Jahren stärker konzentrieren muss. Der Grund ist eindeutig: „In den vergangenen 25 Jahren sind die Azubizahlen um knapp 27 Prozent gesunken und eine Trendwende ist in Anbetracht des demografischen Wandels nicht zu erwarten.“
Die Folge: Nicht mehr jeder Beruf kann dauerhaft an jedem Standort unterrichtet werden. Was zunächst nach Verlust klingt, ist zugleich Teil einer strategischen Neuausrichtung. „Dafür bekommen die Azubis und Meister an den verbleibenden Standorten topmoderne Bildungsstätten mit der neuesten technischen Ausstattung“, erklärte Grafen.
Für die Betriebe im Kreis Euskirchen besonders wichtig: Das BZE Euskirchen bleibt einer dieser Bildungsleuchttürme. Die HWK Aachen ist neben dem Kreis Euskirchen und der IHK Aachen einer der drei Träger. Auch künftig sollen dort Überbetriebliche Unterweisungen in Berufen wie Kfz-Mechatronik, Elektro, SHK, Metallbau, Schweißen, Maler- und Tischlerhandwerk stattfinden.
Interessenvertretung: Nicht jede Wirkung braucht ein Megafon
Für Gesprächsstoff sorgte auch die Frage, wie die Handwerkskammer die Interessen des Handwerks politisch vertritt. Hauptgeschäftsführer Georg Stoffels machte deutlich: Bauernproteste auf der Straße können Aufmerksamkeit erzeugen – politische Ergebnisse entstehen aber häufig an anderer Stelle. Als Beispiel nannte er Handwerkspräsident Jörg Dittrich, der zu den vier Spitzenvertretern der deutschen Wirtschaft gehört, die regelmäßig im Austausch mit dem Bundeskanzler stehen. „Da werden die wichtigen Weichen gestellt“, sagte Stoffels. Viele Gespräche fänden bewusst außerhalb des Scheinwerferlichts statt, weil dort konstruktiv an Lösungen gearbeitet werden könne.
Das gelte auch regional: Die HWK Aachen stehe kontinuierlich im Austausch mit Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern aus Kommunen, Kreisen, Land und Bund.
Nachfolge: früh anfangen
Weniger emotional, aber für viele Betriebe besonders relevant, war der Themenblock Unternehmensberatung. Kurt Krüger, Leiter der Unternehmensberatung der HWK Aachen, zeigte auf, an wie vielen Stellen die Handwerkskammer ihre Mitgliedsbetriebe unterstützen kann – von betriebswirtschaftlichen Fragen über Bewertungen bis hin zur Vorbereitung von Bankgesprächen.
Sein wichtigster Appell richtete sich an ältere Betriebsinhaberinnen und Betriebsinhaber: „Kommen Sie zehn Jahre vor der geplanten Betriebsübergabe auf uns zu. Das klingt nach einer Ewigkeit, ist aber vielfach nötig.“ Denn eine erfolgreiche Übergabe entsteht selten kurzfristig. Unternehmens- und Maschinenbewertungen, die Suche nach geeigneten Nachfolgenden, steuerliche und rechtliche Fragen sowie Gespräche mit Banken brauchen Zeit. Wer früh anfängt, erhöht die Chancen, dass das Lebenswerk weitergeführt wird.
Klartext geht weiter
Nach drei Stunden Diskussion, Nachfragen und Einblicken fiel in der Ideenfabrik Euskirchen ein Satz besonders häufig: „Das haben wir alles gar nicht gewusst!“ Genau darin liegt der Kern von „Kammer Klartext“. Die Reihe soll zeigen, was die Handwerkskammer Aachen für ihre Betriebe leistet – sichtbar auf der Bühne und oft unsichtbar im Hintergrund. Sie soll aber auch zuhören: Was brauchen die Betriebe? Wo hakt es? Welche Erwartungen gibt es an die Kammer?
Nach der erfolgreichen Premiere in Euskirchen wird „Kammer Klartext“ 2027 in weiteren Landkreisen des Kammerbezirks fortgesetzt. Die jeweiligen Betriebe werden rechtzeitig informiert. Ziel bleibt ein offener, ehrlicher und konstruktiver Austausch.
Leitung Kommunikation und Wirtschaftsbeobachtung
Tel. +49 241 471-132