Gemeinsam mit Handwerksbetrieben wurde über innovative Strategien zur Arbeitgeberattraktivität diskutiert.
www.ideenfabrik-kreis-euskirchen.de
Zum dritten Mal fand die Veranstaltung der Reihe „Fachkräftesicherung im Handwerk“ statt – diesmal in der Ideenfabrik Euskirchen. Gemeinsam mit Handwerksbetrieben aus der Region wurde über innovative Strategien zur Arbeitgeberattraktivität diskutiert.

News 03.04.2024Menschen gewinnen – Menschen halten

Fachkräftesicherung im Handwerk – Best Practices aus der Region

Bei der Veranstaltung zur Fachkräftesicherung berichten Betriebe aus der Region, wie sie mit Teamgeist, Werten und Innovation erfolgreich sind.

Wie lassen sich Fachkräfte finden, binden und fördern? Welche Strategien funktionieren in der Praxis – und welche nicht? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt der Veranstaltung „Fachkräftesicherung im Handwerk“, die die Handwerkskammer (HWK) Aachen ausrichtet, dieses Mal in Kooperation mit der Ideenfabrik Nachhaltige Wirtschaft Euskirchen. Dabei wird deutlich: Die Herausforderungen sind groß, aber die Lösungsansätze im Handwerk ebenso vielfältig wie kreativ.

Fünf Betriebe aus der Region geben Einblicke in ihre ganz persönlichen Wege der Fachkräftesicherung. Sie zeigen, wie moderne Arbeitgebermarken entstehen, welche Rolle Werte, Digitalisierung, Kommunikation und Unternehmenskultur spielen – und wie Handwerk heute zum attraktiven Berufsfeld für junge Menschen, Quereinsteigende und Fachkräfte aus dem Ausland wird.

Bruno Pusch vom RKW Kompetenzzentrum lieferte wertvolle Einblicke in die Gewinnung von Auszubildenden mit einem besonderen Fokus auf die Ansprache der Generation Z. Sein Vortrag bot praxisnahe Impulse, wie Handwerksbetriebe ihr Azubimarketing attraktiver gestalten können.

Ein besonderer Dank für die gute Zusammenarbeit gilt dem Region Aachen Zweckverband, den Kreisen Euskirchen und Düren, der Wirtschaftsförderungsgesellschaft für den Kreis Heinsberg, der Stadt Aachen sowie der StädteRegion Aachen.

Begleitet werden solche Formate, die die HWK regelmäßig ausrichtet, von den Beraterinnen und Beratern der Kammer, die den Betrieben mit Know-how und praktischer Unterstützung zur Seite stehen – sei es bei der Arbeitgeberpositionierung, bei Personalfragen oder der strategischen Weiterentwicklung. Eines wird schnell klar: Wer sich um Menschen kümmert, gewinnt. Und das Handwerk hat viele gute Beispiele dafür.

Cousin Elektro Technik, Euskirchen

Bei Cousin Elektro Technik aus Euskirchen ist der Name Programm: Die Brüder Laurent und Pascal Cousin führen den Familienbetrieb mit viel Herzblut – und einer klaren Vision. „Wir wollen zeigen, dass Handwerk cool, modern und zukunftssicher ist“, sagt Pascal, der die organisatorischen Abläufe steuert, während Laurent den direkten Draht zur Baustelle hält. Sichtbarkeit ist für die beiden der Schlüssel zum Erfolg – deshalb setzen sie konsequent auf Social Media. Mindestens zwei Posts pro Woche geben Einblicke in den Arbeitsalltag, stellen Mitarbeitende vor und zeigen, was moderne Elektrotechnik heute leistet.

Doch nicht nur online, auch offline punktet das Unternehmen mit echter Wertschätzung: „Manchmal bringen wir einfach spontan ein Frühstück auf die Baustelle oder grillen freitags nach Feierabend mit unserem Team“, erzählt Cousin. Auch die Familien der Beschäftigten werden eingebunden – bei Teambuilding-Aktionen, Fußballabenden oder gemeinsamen Festen. Neben der familiären Atmosphäre überzeugt das Unternehmen mit attraktiven Zusatzleistungen: betriebliche Altersvorsorge, Erholungspauschalen, bald auch ein Corporate-Benefits-Programm mit Fitnessstudio-Mitgliedschaft. Das junge Team setzt auf einen kumpelhaften, offenen Umgang – und lebt eine moderne Arbeitgebermarke, die vor allem eines ist: authentisch.

 Laurent und Pascal Cousin, Cousin Elektro Technik, Euskirchen
Handwerkskammer Aachen - Doris Schlachter
Laurent und Pascal Cousin, Cousin Elektro Technik, Euskirchen

www.cousin-elektrotechnik.de

Bestattungshaus Edwin Otten, Gangelt

Das Bestattungshaus Edwin Otten aus Gangelt ist alles – nur nicht traditionell. Der Unternehmer geht mutig neue Wege und bricht bewusst mit alten Bildern der Branche. „Wir zeigen, dass Bestattung mehr sein kann als Trauer – nämlich auch Erinnerung, Würde und sogar ein Stück Lebensfreude“, sagt Edwin Otten. Seine Social-Media-Kanäle – besonders TikTok – erreichen nicht nur junge Zielgruppen, sondern bauen auch Berührungsängste ab. Über Facebook-Gruppen, Kleinanzeigen, WhatsApp-Statusmeldungen und ein starkes regionales Netzwerk gewinnt Otten neue Mitarbeitende, Auszubildende und junge Menschen für ein Praktikum.

„Wir sehen uns als Problemlöser – für unsere Kundschaft genauso wie für unser Team“, betont Otten. Flexible Arbeitszeitmodelle, vermögenswirksame Leistungen, Tankgutscheine, Fortbildungen, Jobrad, Hilfe bei Wohnungssuche oder Umzügen – die Liste an Angeboten ist lang. Frühstück und freie Getränke gibt’s im Betrieb selbstverständlich. Die Arbeitsumgebung ist modern, das Unternehmen wächst über Kreisgrenzen hinweg. Otten versteht sich als Netzwerker – im Aachener Marketing Club, als Vorsitzender der Gewerbegemeinschaft und Vorstand des Gewerbeverband Selfkant . Und als Innovator: Ob Comedyabend im Trauerhaus oder Gedenkveranstaltung mit Musik – hier wird Bestattungskultur neu gedacht.

Edwin Otten, Bestattungshaus Edwin Otten, Gangelt
Handwerkskammer Aachen - Doris Schlachter
Edwin Otten, Bestattungshaus Edwin Otten, Gangelt

www.bestattungshaus-otten.de

Mertens Sanitär – Heizung – Klima, Düren

Bei Mertens Sanitär – Heizung – Klima in Düren trifft Handwerkstradition auf digitale Innovation. „Wir sind eher konservativ aufgestellt – aber gleichzeitig auch sehr fortschrittlich, was Technik und Prozesse angeht“, sagt Julia Mertens. Die 25-Jährige hat Wirtschaftspsychologie studiert und arbeitet Seite an Seite mit Vater Guido an der Zukunft des Familienbetriebs. Der Generationswechsel ist gut geplant, die Werte klar: Mitarbeiterzufriedenheit, Vertrauen und persönliche Entwicklung stehen an erster Stelle.

Der Betrieb mit 19 Mitarbeitenden und vier Auszubildenden ist nahezu papierfrei organisiert. Prozesse vom Auftragseingang bis zur Abrechnung laufen digital. KI-gestützte Tools helfen, Sprachbarrieren bei internationalen Fachkräften zu überwinden. „Der Beruf wird komplexer – wir setzen auf Teamwissen statt Einzelkämpfer“, sagt Julia Mertens. Eine digitale Wissensdatenbank wird gerade über Microsoft Teams aufgebaut.

Auch das Zwischenmenschliche kommt nicht zu kurz: Grillabende, gemeinsame Ausflüge, ein eigener Weihnachtsmarkt – das Wir-Gefühl wird großgeschrieben. Morgens startet das gesamte Team mit einer gemeinsamen Besprechung. Der Betrieb beteiligt sich am Fitnessstudio, bietet betriebliche Altersvorsorge, Weihnachts- und Urlaubsgeld – und zeigt Flexibilität bei privaten Anliegen. Die Nachwuchsarbeit funktioniert über gute Kontakte zu Schulen – freie Ausbildungsplätze sind kein Problem. Auch weibliche Fachkräfte werden gezielt angesprochen.

Julia Mertens, Mertens SHK, Düren
Handwerkskammer Aachen - Doris Schlachter
Julia Mertens, Mertens SHK, Düren

www.mertens-shk.de

Klotz und Gangloff GmbH Maschinenbau+Anlagenbau, Eschweiler

Klotz & Gangloff aus Eschweiler zeigt, wie bunt, vielfältig und gleichzeitig professionell das Handwerk sein kann. Mit 117 Mitarbeitenden aus über zehn Nationen lebt das Unternehmen eine offene, tolerante Unternehmenskultur, in der sich alle als Teil einer großen Familie fühlen. Das Motto „Handwerk schweißt zusammen“ ist nicht nur auf dem eigenen Karnevalswagen präsent – es prägt das gesamte Arbeitsklima. „Bei uns wird Vielfalt gelebt – nicht nur toleriert“, sagt Geschäftsführer Jens Gangloff.

Ein ausführlich gelebter Werte-Leitfaden, Social-Media-Aktivität, Corporate Social Responsibility und ein hoher Digitalisierungsgrad – unter anderem durch vollautomatisiertes Bestellwesen – zeigen: Hier geht modernes Handwerk neue Wege. Neue Mitarbeitende erhalten eine „Herzlich Willkommen“-Mappe und ein individuelles Mitarbeiter-Quartett. In den Hallen informieren Bildschirme über aktuelle Themen. Obst, Kaffee, Wasser sind kostenlos, donnerstags wird gegrillt, montags und freitags gibt’s Bockwürstchen. Samstags gibt es Deutschkurse für Mitarbeitende mit Migrationshintergrund.

Neben Sommerfesten, Weihnachtsfeiern und einer Kinderweihnachtsfeier sorgen Aktionen wie der „Fun-Feierabend“ mit Lebendkickerturnier oder Mario-Kart für ein starkes Miteinander. Der Betrieb engagiert sich zudem im Netzwerk für familienfreundliche Unternehmen. Mit Benefits wie Jobbike, Fitnessraum oder Guthabenkarte schafft Klotz & Gangloff ein Arbeitsumfeld, das Spaß macht – und Perspektiven bietet.

Klotz & Gangloff, Eschweiler
Handwerkskammer Aachen - Doris Schlachter
Klotz & Gangloff, Eschweiler

www.klotz-gangloff.de

Wagner – Technical Services Worldwide, Eschweiler

„Wir sind eine Firma, die es kein zweites Mal gibt in Deutschland“, sagt Stefan Wagner selbstbewusst – und meint das keineswegs überheblich. Der Betrieb aus Eschweiler ist weltweit im Einsatz, hochspezialisiert auf Instandsetzung und gleichzeitig tief in der Region verwurzelt. Fachkräftemangel? „Haben wir nicht – weil wir uns früh und klug um Personal kümmern“, sagt Kollegin Britt van Deursen. Wagner bildet in fünf Berufen aus, betreut die Azubis individuell und ist in Schulen, Vereinen und Innungen eng vernetzt.

„Nachwuchsgewinnung ist ein Megathema für mich“, sagt der Chef, der sich auch ehrenamtlich engagiert. Praktika, Ferienspiele, Boys‘ & Girls‘ Day, Kita-Wettbewerb oder der Tag des Handwerks – Wagner ist überall dort, wo junge Menschen das Handwerk kennenlernen können.

Der Betrieb lebt eine offene Kultur: Mitarbeitende werden einbezogen, Strukturen bleiben flexibel, unnötige Regeln gibt es nicht. Weiterbildung ist selbstverständlich – ob zum Techniker, Meister, Bachelor oder Master. Wer hier einsteigt, findet ein breites, anspruchsvolles Aufgabenfeld und ein Team, das zusammenhält. Die Zusammenarbeit mit der Handwerkskammer ist eng, die Perspektiven sind vielfältig. „Fachkräfte gewinnt man nicht durch Glück – sondern durch Haltung und kluge Planung“, so Wagner.

Britt van Deurssen und Stefan Wagner, Wagner, Eschweiler
Handwerkskammer Aachen - Doris Schlachter
Britt van Deurssen und Stefan Wagner, Wagner, Eschweiler

www.wagner-eschweiler.de

Mitveranstalter und Förderung