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News vom 19.06.2026Solidarisch für den Fachkräftenachwuchs

Soka-Bau und BGZ Simmerath: Seit 50 Jahren Partner in der überbetrieblichen Ausbildung

Text: Doris Schlachter

Seit 50 Jahren gibt es in der Bauwirtschaft ein besonderes Modell, das Ausbildung verlässlich, planbar und qualitativ hochwertig macht: die branchenweite Ausbildungsförderung über Soka-Bau. 1976 wurde dieses Verfahren eingeführt – und seit ebenso vielen Jahren ist auch das Bildungszentrum BGZ Simmerath der Handwerkskammer Aachen Teil dieser erfolgreichen Zusammenarbeit.

Für die Baubetriebe in der Region ist die Soka-Bau dabei weit mehr als eine Sozialkasse, an die Beiträge gezahlt werden. Sie ist ein zentrales Instrument, um Fachkräftenachwuchs zu sichern, Ausbildungsbetriebe finanziell zu entlasten und die überbetriebliche Ausbildung in modernen Bildungszentren zu ermöglichen.

Warum gibt es Soka-Bau?

Anfang der 1970er Jahre befand sich die Ausbildung in der Bauwirtschaft in einer schwierigen Lage: Die Ausbildungsquote war auf einem historischen Tiefstand. Die Tarifvertragsparteien reagierten darauf mit einem solidarischen Modell: Alle Baubetriebe beteiligen sich über Beiträge an der Finanzierung der Berufsausbildung.

Die Grundidee ist bis heute einfach und wirkungsvoll: Jeder Betrieb profitiert von gut ausgebildeten Fachkräften – aber nicht jeder Betrieb kann oder will selbst ausbilden. Deshalb zahlen alle Baubetriebe in einen gemeinsamen Topf ein. Aus diesem Topf werden ausbildende Betriebe unterstützt und die überbetriebliche Ausbildung finanziert.

Was bedeutet das für die Betriebe?

ie Grundidee ist bis heute einfach und wirkungsvoll: Jeder Betrieb profitiert von gut ausgebildeten Fachkräften – aber nicht jeder Betrieb kann oder will selbst ausbilden. Deshalb zahlen alle Baubetriebe in einen gemeinsamen Topf ein. Aus diesem Topf werden ausbildende Betriebe unterstützt und die überbetriebliche Ausbildung finanziert. Baubetriebe zahlen monatlich einen Sozialkassenbeitrag an Soka-Bau. Ein Teil davon fließt in das Berufsbildungsverfahren. Für gewerbliche Arbeitnehmer beträgt dieser Beitrag aktuell 2,2 Prozent des Bruttolohns. Ein Beispiel: Verdient ein Arbeitnehmer durchschnittlich 3.000 Euro brutto im Monat, zahlt der Betrieb monatlich 66 Euro für das Berufsbildungsverfahren.

Dieser Beitrag ist keine Einbahnstraße. Wer ausbildet, erhält von Soka-Bau einen Großteil der Kosten zurück. Konkret erstattet oder übernommen werden:

  • Teile der Ausbildungsvergütung
  • Die darauf anfallenden Sozialaufwendungen
  • Große Teile der Kosten für die überbetriebliche Ausbildung (wie Kursgebühren, Fahrtkosten und Internatsunterbringung)
  • Nach Angaben von Soka-Bau kann die Förderung pro Auszubildendem insgesamt mehr als 51.000 Euro betragen (zuzüglich Fahrtkosten).

Warum zahlen auch Betriebe, die nicht ausbilden?

Diese Frage stellen sich manche Betriebe. Die Antwort liegt im solidarischen Prinzip der Bauwirtschaft: Gut ausgebildete Fachkräfte kommen der gesamten Branche zugute. Das bedeutet: Auch Betriebe, die selbst nicht ausbilden, greifen später auf dem Arbeitsmarkt auf qualifizierte Gesellinnen und Gesellen zu. Nach Angaben von Soka-Bau bilden nur rund 20 Prozent der Betriebe selbst aus. Das Umlageverfahren sorgt dafür, dass die Kosten der Ausbildung fair auf viele Schultern verteilt werden. Ausbildende Betriebe werden entlastet, nicht ausbildende Betriebe leisten ihren Beitrag zur Fachkräftesicherung. Viele grundlegende Fertigkeiten lassen sich nicht vollständig im einzelnen Betrieb vermitteln. Deshalb ist die überbetriebliche Ausbildung (ÜLU) ein Herzstück der Branche. In rund 200 Ausbildungsstätten in Deutschland erwerben Auszubildende praktische Grundkenntnisse.

Starker Partner

Das BGZ Simmerath gehört seit 50 Jahren zu diesem Netzwerk. »Für unser Bildungszentrum bedeutet die anteilige Finanzierung der Berufsausbildung in den Bauberufen eine enorme Sicherheit und Planbarkeit der Maßnahmen in der überbetrieblichen Lehrlingsausbildung. Mit Soka-Bau steht ein starker und verlässlicher Partner an unserer Seite, mit dem die Zusammenarbeit hervorragend funktioniert«, sagt Nicole Link, Fachbereichsleiterin Bauhandwerke in Simmerath. Und BGZ-Leiter Marco Theissen ergänzt: »Die branchenweite Ausbildungsförderung über die Soka-Bau ist seit 50 Jahren ein tragendes Fundament für die Qualifizierung des Fachkräftenachwuchses der Bauberufe. Für das BGZ Simmerath bedeutet diese solidarische Finanzierung eine hohe Planungssicherheit und die Möglichkeit, überbetriebliche Ausbildung dauerhaft auf hohem Qualitätsniveau anzubieten. Die enge und verlässliche Partnerschaft zeigt, wie erfolgreich gemeinschaftliche Verantwortung für die Zukunft einer gesamten Branche übernommen werden kann.«

Ein Modell mit messbarem Erfolg

Ein Blick auf die Zahlen nach Angaben der Soka-Bau verdeutlicht die Dimension des Erfolgs:

  • Seit Beginn wurden fast eine Million Auszubildende unterstützt.
  • Insgesamt flossen mehr als 16 Milliarden Euro in die Ausbildung der Bauwirtschaft.
  • Aktuell werden jährlich über 39.000 Auszubildende mit knapp 450 Millionen Euro gefördert.
  • Qualitätssicherung inklusive

Soka-Bau finanziert nicht nur, sondern sichert auch die Qualität. Die Ausbildungszentren werden regelmäßig nach einem strengen Kriterienkatalog überprüft. Für Betriebe bedeutet das: Sie können sich doppelt darauf verlassen, dass ihr Nachwuchs im BGZ Simmerath nach einheitlichen, hohen Qualitätsstandards geschult wird. 

Beitrag zahlen heißt Zukunft sichern

Das Umlageverfahren ist ein Beispiel dafür, wie eine Branche gemeinsam Verantwortung übernimmt. Für die Region Aachen ist das BGZ Simmerath seit 50 Jahren ein wichtiger Partner in diesem System. Die Kooperation zeigt: Gute Ausbildung braucht Betriebe, Bildungszentren und ein solidarisches Finanzierungsmodell, das diese Aufgabe dauerhaft trägt.