Pressemitteilung vom 18.09.2026Technikunterricht gehört in die Schule
Handwerkskammer Aachen plädiert für praxisnahe Berufsorientierung und Einführung eines Azubi-Tickets.
Aachen. „Schule muss aufs Leben vorbereiten – nicht nur auf die nächste Prüfung.“ Anlässlich des bundesweiten Tages des Handwerks am 19. September fordert Marco Herwartz, Präsident der Handwerkskammer Aachen, deutlich mehr Praxisnähe im deutschen Bildungssystem. Schule müsse junge Menschen wieder stärker dazu befähigen, ihr Leben selbstständig zu gestalten, ihre Talente zu erkennen und eine fundierte Entscheidung über ihren beruflichen Weg zu treffen.
Aus Sicht des Handwerks muss insbesondere die Bildung in den MINT-Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik gestärkt werden. Dazu gehört für Herwartz auch ein eigenständiges Pflichtfach Technik. Werkräume dürften nicht länger ein Nischendasein führen, sondern müssten zu modernen Praxislaboren der Schulen werden. „Deutschland diskutiert über Fachkräfte, Digitalisierung, Energiewende und Infrastruktur – gleichzeitig erleben viele junge Menschen während ihrer gesamten Schulzeit kaum, wie Technik funktioniert und wie aus einer Idee etwas Konkretes entsteht. Das passt nicht zusammen“, kritisiert Herwartz. „Technisches Verständnis ist eine Schlüsselkompetenz unserer Zeit. Es gehört deshalb fest in die schulische Bildung.“
Berufsorientierung darf nicht von Schulform abhängen
Handlungsbedarf sieht das Handwerk auch bei der Berufsorientierung. Sie müsse an allen Schulformen offener und praxisnaher werden und jungen Menschen das „Erlebnis Beruf“ ermöglichen. „Man kann einen handwerklichen Beruf nicht auf einem Arbeitsblatt kennenlernen. Man muss Materialien anfassen, Werkzeuge ausprobieren, Probleme lösen und am Ende sehen, was man mit den eigenen Händen und dem eigenen Kopf geschaffen hat“, so Herwartz. Praxisphasen durch mehrwöchige Praktika seien deshalb keine nette Ergänzung der Berufsorientierung, sondern unverzichtbar. Das gelte ausdrücklich auch für Gymnasien. „Oft wird dort der Weg an eine Hochschule als selbstverständlich angesehen, während die duale Ausbildung deutlich weniger sichtbar ist“, kritisiert Herwartz. „Wir müssen aufhören, auf bestimmte Bildungswege vorzubereiten und anfangen, die Talente und Neigung unserer Kinder zu erkennen und zu fördern. Daraus ergeben sich dann die Bildungswege.“
Auch beim Übergang von der Schule in den Beruf fordert Herwartz mehr Konsequenz. Das Prinzip „Kein Abschluss ohne Anschluss“ müsse landesweit einheitlicher umgesetzt und stärker auf tatsächliche Übergänge in Ausbildung ausgerichtet werden. Nach seiner Analyse gibt es zu viele parallele Strukturen und vor allem sollten die vollschulischen Bildungsgänge an Berufskollegs zielgerichteter und effizienter gestaltet werden. „Diese sind sinnvoll, wo sie jungen Menschen gezielt weiterhelfen. Sie dürften aber nicht zu unnötigen Warteschleifen werden. Allein im Handwerk sind noch hunderte Lehrstellen in NRW unbesetzt“, so Herwartz weiter.
Bundesweites Azubi-Ticket einführen
Eine weitere konkrete Forderung betrifft die Mobilität von Auszubildenden. Die Handwerkskammer Aachen fordert ein Azubi-Ticket zu vergleichbaren Konditionen wie ein Semesterticket für Studierende. „Wenn wir von Gleichwertigkeit zwischen beruflicher und akademischer Bildung sprechen, muss sich diese Gleichwertigkeit auch im Alltag zeigen“, sagt Herwartz. Es sei nicht vermittelbar, warum Studierende bei ihrer Mobilität deutlich unterstützt würden, Auszubildende aber andere Bedingungen vorfänden. Im NRW-Elektrohandwerk gibt es seit Anfang des Jahres 2026 aufgrund einer tariflichen Vereinbarung ein vergünstigtes Azubi-Ticket. „Dieses Erfolgskonzept sollte auf andere Gewerke oder im besten Fall auf das gesamte Handwerk ausgeweitet werden“, so der HWK-Präsident weiter.
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