Fürs Foto verbindet Projektleiter Matthias Pesch das Tablet mit dem 3D-Laserscanner. Bei Knoben Haus & Holzbau ist das digitale 3D-Aufmaß, gerade im Gebäudebestand, der nächste Schritt.
Fürs Foto verbindet Projektleiter Matthias Pesch das Tablet mit dem 3D-Laserscanner. Bei Knoben Haus & Holzbau ist das digitale 3D-Aufmaß, gerade im Gebäudebestand, der nächste Schritt.

News vom 15.01.2026Vom Zollstock zur Punktwolke

Text: Doris Schlachter

Knoben Haus & Holzbau zeigt, wie digitale Werkzeuge Abläufe verändern.

Holz ist bei Knoben Haus & Holzbau Familientradition in vierter Generation – und trotzdem längst kein »Weiter so«. Martin Knoben arbeitet seit 1981 im Betrieb und sagt voller Überzeugung: »Ich mach’s immer noch sehr gerne!« Für den 61-jährigen Zimmerermeister ist lebenslanges Lernen wichtig – und Neues auszuprobieren, wenn es dem Betrieb nutzt. Knoben beschreibt sich als technikaffin. Rund 98 Prozent der Häuser, die das Unternehmen umgesetzt hat, wurden auch selbst geplant. Klassische Dachstuhlarbeiten sind dabei heute eher die Ausnahme – der Betrieb denkt stärker in Systemen, Vorfertigung und Prozessen.

Der Umbruch begann nicht mit einem »Digitalpaket«, sondern mit einer Frage, die viele Handwerksbetriebe kennen: Wie bekommen wir mehr Qualität und Tempo in die Ausführung – bei knappen Fachkräften und steigender Komplexität? Eine CNC gesteuerte Abbundanlage war ein früher Meilenstein. Sie machte Vorfertigung planbarer und verschob Wertschöpfung von der Baustelle in die Werkhalle. Innovationsentwickler Daniel Günther (AKzentE4.0) von der Handwerkskammer Aachen beobachtet genau diesen Effekt bei vielen Betrieben: »Dadurch ändert sich im Prinzip die komplette Struktur im Unternehmen.«

Der nächste Schritt ist bei Knoben das digitale 3D-Aufmaß – gerade im Gebäudebestand. Mit Laserscans entstehen Punktwolken, aus denen sich Maße, Ebenen und Abweichungen präzise ableiten lassen. Was früher auf der Baustelle angepasst werden musste, wird heute im Vorfeld erkannt, geplant und in Teilen vorgefertigt. Ergebnis: weniger Überraschungen, weniger Nacharbeit, weniger unproduktive Stunden vor Ort. Nebenbei entsteht eine belastbare Dokumentation – praktisch, wenn später Details nachgewiesen werden müssen, etwa Leitungsverläufe oder Abweichungen im Bestand. Ausblick und logische Konsequenz: Die digital erstellten Baupläne werden mittels digitalem 3D-Absteckgerät in die Realität der Baustelle zurück projiziert.

Günther sieht in dem stark unterschiedlichen Fortschritt-Niveau eine Herausforderung fürs Handwerk: »Technik und Praxis driften auseinander. Scanner, BIM-Clouds und Mixed-Reality-Anwendungen entwickeln sich rasant – aber viele Betriebe investieren nicht oder sehr zögerlich.« Dabei entscheide nicht die Zahl der Tools, sondern der Prozess dahinter. Oder wie der Innovationsentwickler der Handwerkskammer es zuspitzt: »Digitalisierung hört man halt ständig, aber dass sich dadurch Prozesse komplett verändern, ist das Interessante.«
Knoben Haus & Holzbau in Heinsberg funktioniert deshalb als Best-Practice-Beispiel, weil der Betrieb drei Prinzipien konsequent umsetzt: Digitalisierung startet bei den Abläufen – also Planung, Aufmaß, Vorfertigung, Montage. Investitionen werden als Prozessinvestitionen verstanden – mit klaren Zuständigkeiten und Schulung. Und: Der Betrieb denkt die Zukunft generationenübergreifend: Sohn Simon (24) ist Holzbauingenieur, Sohn Julius (18) studiert Betriebswirtschaftslehre.

Die Botschaft aus Heinsberg ist damit klar: Wer digital misst, kann verlässlicher planen. Wer verlässlicher plant, kann stärker vorfertigen. Und wer stärker vorfertigt, gewinnt Zeit auf der Baustelle – genau dort, wo sie am teuersten ist.

Unterstützung für Betriebe

AKzentE4.0 vereint Wissenschaft, Wirtschaft und Handwerk, um Unternehmen bei digitaler Transformation und dem Einsatz von KI zu stärken – mit dem Grundsatz: Technik soll den Menschen dienen. Ziel ist die praxisnahe Entwicklung und Erprobung von Lösungen – inklusive Analyse der Auswirkungen auf Arbeitsprozesse. Die Handwerkskammer Aachen bietet dazu maßgeschneiderte Schulungen und Qualifizierungen, entwickelt unter anderem in Testworkshops mit Betrieben.

Ansprechpartner:

Daniel Günther

Innovationsentwickler AKzentE4.0

Tel. +49 241 471-362

daniel.guenther--at--hwk-aachen.de


www.hwk-aachen.de/akzente
www.akzente40.de